Im Test Lab von Herman Miller

Im Test Lab von Herman Miller

Patrik Westermann

Produkte werden gebogen, gedreht, mit spitzen Gegenständen bearbeitet, fallen gelassen – und dass alles im Namen der Wissenschaft, die hinter dem Design steckt.

 

Herman Miller setzt alles daran, die besten Stühle wie Aeron, Embody, Cosm, Mirra 2, Sayl usw. der Welt zu produzieren. Seit 1958 betreibt das Unternehmen ein hochmodernes Test Lab, in dem jedes Produkt extremen Belastungen ausgesetzt wird. Was einst eine einfache Werkstatt war, ist heute ein hochpräzises Prüflabor mit modernster Technologie.

Das Labor im Design Yard in Holland, Michigan, ist das Herzstück der Produktentwicklung. Hier werden etwa 2.500 verschiedene Tests durchgeführt – von Belastungsprüfungen bis hin zu Verschleisssimulationen. Stühle werden millionenfach zurückgelehnt, Armlehnen unter Druck gesetzt, Sitzflächen mit Gewichten belastet. Regale tragen so lange steigendes Gewicht, bis sie versagen. Robotergesteuerte Simulationen verdichten Jahre der Nutzung in wenige Wochen. Ziel ist es, sicherzustellen, dass jedes Möbelstück selbst härtesten Bedingungen standhält.

Doch es geht um mehr als nur Haltbarkeit. Chemische Tests prüfen die Widerstandsfähigkeit gegenüber Flüssigkeiten wie Schweiss, Desinfektionsmittel oder Limonade.

Klimakammern simulieren extreme Temperaturen, um zu garantieren, dass Herman Miller Produkte weltweit unter allen Bedingungen bestehen. Die Prüfungen orientieren sich an den BIFMA-Standards, übertreffen diese jedoch bei Weitem – beispielsweise durch eine Million Zurücklehn-Zyklen, anstatt der geforderten 120.000.

Diese Qualitätssicherung ist tief in der Unternehmensphilosophie verankert. Bereits 1948 betonte George Nelson die Bedeutung kompromissloser Verarbeitung. Später forderte der Designkritiker Ralph Caplan, Produkte „so gut wie möglich“ zu machen. Bei Herman Miller bedeutet das, Fehler gezielt zu provozieren, um Schwachstellen zu eliminieren.

Die Entwicklung eines neuen Stuhls dauert oft Jahre und durchläuft zahlreiche Prototypen, bevor er den Markt erreicht. Die Tests sind rigoros, manchmal spektakulär – wie bei einer Belastungsprüfung für Büropaneele, bei der ein System unter Hochdruck regelrecht explodierte. Viele Prototypen bestehen anfangs nur aus Karton und Klebeband, doch in jeder Phase wird optimiert. Das Ziel: Möbel, die Generationen überdauern.

Wer fragt, warum ein Herman Miller Stuhl seinen Preis hat, bekommt hier die Antwort: Weil er mit höchster Sorgfalt entwickelt, intensiv getestet und für maximale Langlebigkeit gebaut wurde. "Unsere Qualität ist unsere Verantwortung", sagt Prüfungsleiter Kyle Wright – und das ist kein leeres Versprechen.

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